Thomas Rieger

Sport Management

Hyundai-Fan-Park, Bushido und konnotative Merkmale

Melde mich heute aus diesem WLAN-Netz. Ja, ja, da verspricht man bewegte Bilder auf twitpic - letztendlich geht es mir eigentlich um die Akustik - und dann kommt erstmal ... nichts, dafür zunächst Entschuldigung. Das Bild ist am Samstagabend entstanden, gestern war ich fünf Stunden auf der Autobahn und habe im Anschluss nur noch Fußball konsumiert. Samstagabend war Eventmanagement im Rahmen der FIFA-WM angesagt: Hyundai Fan-Park Dortmund bis zum bitteren Ende. Da RTL live aus dem Fan Park übertrug, war der Friedensplatz entsprechend gut besucht. Der wesentliche Bestandteil der Eventkommunikation:


Bushido, DER Sprech-Gesangs-Act der deutschen Jugendkultur euphorisierte die ersten, in erster Linie aus 15- bis 17-jährigen „Nachwuchs-Bad-Guys“ bestehenden Reihen. Selbst Lahm & Co. nutzen den Track zur Pre-Game-Motivation: von Naidoo zu Bushido. Wie kriege ich jetzt noch die wissenschaftliche Kurve? Ganz einfach. In der Eventkommunikation versucht man einen Image-Fit über denotative oder konnotative Merkmale zu erreichen. Bushido im Hyundai Fan-Park! Welche insbesondere konnotativen Merkmale transferieren sich nun auf die mit dem Event verbundenen Marken? Vorschläge gerne über die Kommentarfunktion.

Die deutschen Sportstätten-Phantome

2002 war ein gutes Jahr: Arminia ist in die 1. Liga aufgestiegen, Deutschland ist Vize-Weltmeister geworden, und die Sportministerkonferenz hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportbund eine umfassende Sportstättenstatistik für Deutschland erhoben. Wie sieht es in 2010 aus? Arminia ist ab-, auf- und wieder abgestiegen und die deutsche Nationalmannschaft spielt ihre zweite WM nach 2002. Und die Sportstättenstatistik? Update?


Nein! Seit 2002 hat es keine gesamtdeutsche Erhebung zur Sportstättensituation gegeben. Ende 2008 hat die Politik, genauer gesagt die bereits erwähnte Sportministerkonferenz der Länder beschlossen, die Sportstättenstatistik nicht fortzuführen. Bereits im Bericht aus 2002 wurde auf den immensen Rückstand an Investitionen hingewiesen. Der ganze Vorgang erinnert mich an einen Privatschuldner, der aufgrund seiner ständig steigenden Schuldenhöhe den Überblick verliert und irgendwann seine Post ungeöffnet in der Papierkorb wandern lässt, so nach dem Motto: „Wir wissen das die Situation schwierig ist, deshalb wollen wir es so richtig dann lieber nicht wissen“. Mit dieser Entscheidung wird die gesamte sportwissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet ausgebremst. Sportstätten offerieren den Zugang zu sportlicher Aktivität, ohne einen adäquaten Wissensstand über mögliche Zugänge, wird auch die Bedeutung von Sport und Bewegung in unterschiedlichen Settings (z. B. Schule, Verein) relativiert.

Gesundheit im System Spitzensport

Die Ergebnisse einer bemerkenswerten Studie legten in diesem Jahr die Sportsoziologen der Universität Tübingen vor. Der Umgang mit Verletzung, Schmerz oder Krankheit im System Spitzensport wurde in der sportwissenschaftlichen Forschung bisher nicht thematisiert. Diese Forschungslücke wurde mit den vorgelegten Ergebnissen weitestgehend geschlossen.

Spitzensportler pflegen eine distinktive Betrachtung des Themas Gesundheit im Vergleich zu Vertretern anderer Systeme etwa des Gesundheits- oder auch des Wirtschaftssystems. Spitzensportler fühlen sich dann gesund, wenn sie ihre Leistungsfähigkeit für den Wettkampf abrufen können. Dies führt mitunter zu einem so genannten „playing hurt“, der Wettkampfteilnahme unter Schmerzen. Die Studie ist im Hofmann Verlag erschienen.

Karten-Chaos

Nicht erst nach dem der spanische Schiri im gestrigen Spiel gegen Serbien nahezu ein Dutzend gelber Kartons gezückt hat, war bei vielen Experten unklar, bei welcher Anzahl von gelben Karten Spieler gesperrt, und nach welcher Turnierrunde die Karten gestrichen werden.



Weder der deutsche Trainerstab, noch die Medienverantwortlichen des Teams konnten die Frage beantworten. Selbst Vertreter der betroffenen Zunft, nämlich z. B. der Ex-Schiri Hellmut Krug, seines Zeichens ARD-Experte, waren überfragt. Wie kann denn so etwas passieren? Niemand weiß, wie das mit den gelben Karten geregelt wird? Hallo! Aktueller Stand des Reglements: Spieler werden nach zwei gelben Karten für das nächste Spiel gesperrt, ein vorhandenes Kartendeputat wird nach dem Viertelfinale gestrichen. Dies schließt eine Gelb-Sperre der Superstars aus den jeweiligen Mannschaften für das Finale aus. Liebe FIFA-Verantwortliche, vielen Dank für die Anpassung des Regelwerks, und danke dafür, dass wir aufgrund einer Gelb-Sperre von Michael Ballack im Finale 2002 gegen Brasilien verloren haben.

Die DFB-Elf und die zweiten Gruppenspiele

Ich weiß, dass einigen Lesern jetzt schon die Haare zu Berge stehen, wenn ich an dieser Stelle und an diesem Tag auf Arminia Bielefeld zu sprechen komme. Heute hat die deutsche Nationalmannschaft ihr zweites Gruppenspiel absolviert und unglücklich 0:1 verloren. Vor vier Jahren haben wir das zweite WM-Gruppenspiel 1:0 gegen Polen in Dortmund gewonnen. Wer hat das Tor gemacht?



Oliver Neuville! Ausgerechnet heute gibt Arminia Bielefeld die Verpflichtung des 37-jährigen deutschen Ex-Nationalspielers für die kommende Saison bekannt, ein gutes Omen für die Blauen und natürlich unsere Nationalmannschaft.

Ein Hauch von Vuvuzel-Akustik

Das wir das Quali-Spiel gegen Griechenland gewinnen, damit durfte man im Vorfeld rechnen, so war ich vor, während und nach dem Spiel mit anderen Dingen beschäftigt. Erste Auffälligkeit beim Gang zur Westfallenhalle waren die hundertfach aufgehängten Hinweisschilder, dass in der Halle das Benutzen von Vuvuzelas strikt untersagt ist. Dennoch gelang es dem Publikum, insbesondere durch Verwendung der so genannten "Sponsoren-Ziehharmonika", einen nicht unerheblichen Klangteppich zu erzeugen. Ich glaube mein Platznachbar hat sich damit die Handflächen wund geschlagen, und mein Trommelfell gleich dazu.



Nachdem sich die deutsche Mannschaft einen konstanten Vorsprung von fünf Toren erarbeitet hatte, konzentrierte ich mich auf die Aktivitäten auf den beiden Trainerbänken. Heiner Brand und der griechische Coach lieferten sich ein hoch spannendes "Tanzduell" am Spielfeldrand.  Darüber hinaus bemerkenswert: die medizinische Abteilung der Griechen bestand lediglich aus einer Person, die durch bloßes Hand- und Handtuchauflegen anscheinend wahre sporttherapeutische Wunder vollbringen konnte, keine Spur von Eisspray oder Voltaren. Obwohl sich die Griechen in der zweiten Hälfte ein 11:11 erspielten, sollte der Vorsprung von fünf Toren (25:20) für das Rückspiel ausreichen.

Hellenischer Handball



Man mag es kaum glauben, aber neben den Kicks in Südafrika läuft noch anderer hochkarätiger Sport. Nach der gruseligen Vorstellung der griechischen Fußballer, bin ich gespannt, wie sich die Handballer gleich in Dortmund gegen unser Team schlagen. Nun ja, Handball ist kein Fußball und schon gar kein Basketball. Um 18 Uhr ist Anwurf in der ausverkauften (!) Westfalenhalle. Bin vor Ort und werde berichten.
Hatte ich ganz vergessen: Mit dem 27:20 im Rückspiel in Griechenland hat sich die deutsche Mannschaft für die WM in Schweden qualifiziert.

Uruguays Forlan und gewisse Ähnlichkeiten

Ein toller WM-Auftakt. Nach der zweiten Halbzeit des Eröffnungsspiels sehe ich mich mit meinem Risikotipp, dass nämlich Südafrika das Halbfinale erreicht, zumindest teilweise bestätigt. Als ich mir vor einigen Wochen das Euro-League-Finale mit einem sensationellen Diego Forlan anschaute, habe ich während der gesamten 120 Minuten darüber nachgedacht, an wen mich Herr Forlan erinnert. Während der ersten Halbzeit des Spiels Uruguay gegen Frankreich viel es mir dann ein. Links sieht man Diego Forlan und rechts Claudio Caniggia, das Enfant Terrible der argentinischen Nationalmannschaft in den 90er Jahren.



Caniggia schoss bei der WM 90 in Italien das enorm wichtige 1:0 für Argentinien im Achtelfinale gegen Brasilien:



Was für eine grandiose Vorarbeit von Diego Maradona.

Noch drei Tage und die Nordkoreaner reisen doch mit drei Torhütern an

So, nun sind es noch sechs Tage bis zum Beginn der großen Blatter-Spiele. Vorgestern habe ich mich im Zuge der BiTS-internen Dozenten-Tipprunde sehr intensiv mit dem Spieltableau beschäftigt, schließlich musste ich mich auf die vier Halbfinalisten festlegen. Hierzu habe ich die beiden Gruppenersten sowie den Ausgang der sich hieraus ergebenden Achtel- und Viertelfinalspiele getippt. Auf Deutschland und Argentinien im Halbfinale zu tippen wäre unklug, da nur möglich, wenn einer der beiden nicht Gruppenerster wird. Unter Berücksichtigung dieser und anderer Bedingungen bin ich letztendlich zu folgenden vier Halbfinalisten gekommen: Südafrika, Deutschland, Brasilien und Spanien. Die Spanier können sich eigentlich nur selber schlagen, die Gastgeber sind immer heimstark, ähnlich wie Südkorea 2002, hinzu kommt Patriotismus und die Einsicht, dass einer der üblichen Verdächtigen, für mich in diesem Jahr Brasilien, auch mit von der Partie sein wird. Ach übrigens Korea, wer kennt diesen jungen Mann?



Es handelt sich um den nordkoreanischen Stürmer Kim Myong Won, der von seinem Trainer für das Aufgebot als Torhüter nominiert wurde, um noch einen zusätzlichen Stürmer ins Aufgebot nehmen zu können. Die FIFA-Regularien (Art. 26 Abs. 3) sehen aber eine Nominierung von drei "echten" Torhütern vor. Dieser sympathischen Schummelei wurde seitens der FIFA ein Riegel vorgeschoben. Mit den drei Gruppengegnern Brasilien, EBK und Portugal haben die Nordkoreaner in ihrer Gruppe sowieso nichts zu lachen.