Thomas Rieger

Sport Management

Russland und Katar - keine schlechte Wahl

Die Entscheidungen der FIFA haben zu Entrüstung und Entsetzen in der gesamten Fußball-Community geführt. Folgendes muss man dazu beispielsweise bei 11Freunde lesen: "Weltmeisterschaften sollen eine Messe des Fußballs sein, Spiegel des Sports und Dank an sein Publikum". Ich kann mich dieser überwältigenden Kritik nicht anschließen, denn wenn man damit argumentiert, dass die wichtigen Großevents des Fußballs doch möglichst der Tradition und Historie geschuldet sein müssen, frage ich mich, ob man Australien, die USA, Japan oder Südkorea in diese Kategorie einordnen kann?! Bei einer derartig haarsträubenden Argumentation dürfte man die WM nur in Argentinien, Brasilien, vielleicht noch Uruguay oder Europa austragen. Russland ist durchaus eine Fußballnation mit Tradition, immerhin kann das Nationalteam der UdSSR einen EM-Titel aufweisen analog zu einigen Mitbewerbern. Trotz der haarsträubenden Egomanie eines Waldimir Putin halte ich die Entscheidung Russland für richtig. Das Land weist eine große Sporthistorie auf und hatte bis dato nicht die Chance ein Fußball-Megaevent zu veranstalten. Natürlich wird dort, ähnlich wie in Katar, mit viel Geld gearbeitet. Dies ist aus meiner Sicht allerdings auch eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches und begeisterndes Turnier. Das Argument der neuen Märkte sticht ebenfalls. Vor allem Studenten und Absolventen im Sportmanagement, deren Karrieren mir sehr am Herzen liegen, sollten die getroffenen Entscheidungen als Chance zur weiteren Steigerung der Employability interpretieren.
Katar ist eine sportbegeisterte Nation. Mit dem Projekt Aspire sollen junge Katari an die Sportweltspitze geführt werden. Es handelt sich bei der Sportförderung in Katar also nicht um eine kurzfristige Strategie, bei der lediglich ausländische Athleten eingebürgert werden, um Medaillen für das Emirat zu erreichen, sondern um ein langfristiges Projekt, dass im Kern auf die Sportförderung von Kindern und Jugendlichen setzt. Natürlich werden hierzu ausländische Trainer und Experten verpflichtet. Dies ändert jedoch nichts an der Richtigkeit der Grundansatzes. Zu weiteren Reflexion empfehle ich die Lektüre der Bid-Reports, die hier zugänglich sind:
2018 FIFA World Cup™ Bid Evaluation Report : Russia
2022 FIFA World Cup™ Bid Evaluation Report : Qatar
Ich freue mich auf interessante und kontroverse Diskussionen im Hörsaal.

2018 und 2022?



Die FIFA wird über die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zeitgleich im Dezember 2010 entscheiden. Es muss kritisch hinterfragt werden, ob es Sinn macht, den Austragungsort eines der wichtigsten und größten Sportevents schon zwölf Jahre vorher festzlegen. Für Europa gehen folgende Nationen ins Rennen: Belgien/Niederlande, Spanien/Portugal, England und Russland. Für die AFC sind gelistet: Katar, Australien, Südkorea und Japan. Ergänzt wird das Feld durch die USA. Die Komplexität des Vergabemodus ergibt sich auch dadurch, dass einige Verbände nur für 2022 (Katar, Japan, Südkorea) Bewerbungen eingereicht haben. Im Zusammenhang mit Katar wurde bereits von "Fußball im Kühlschrank" gesprochen. Diese Auffassung teile ich nicht, zumal andere Turniere unter ähnlichen klimatischen Bedingungen durchgeführt wurden (z. B. Mexiko 1970, 1986).
BTW: Die Entscheidung für Olympia 2018 steht ja auch noch an. Hatte ich völlig vergessen.