Thomas Rieger

Sport Management

Die deutschen Sportstätten-Phantome

2002 war ein gutes Jahr: Arminia ist in die 1. Liga aufgestiegen, Deutschland ist Vize-Weltmeister geworden, und die Sportministerkonferenz hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportbund eine umfassende Sportstättenstatistik für Deutschland erhoben. Wie sieht es in 2010 aus? Arminia ist ab-, auf- und wieder abgestiegen und die deutsche Nationalmannschaft spielt ihre zweite WM nach 2002. Und die Sportstättenstatistik? Update?


Nein! Seit 2002 hat es keine gesamtdeutsche Erhebung zur Sportstättensituation gegeben. Ende 2008 hat die Politik, genauer gesagt die bereits erwähnte Sportministerkonferenz der Länder beschlossen, die Sportstättenstatistik nicht fortzuführen. Bereits im Bericht aus 2002 wurde auf den immensen Rückstand an Investitionen hingewiesen. Der ganze Vorgang erinnert mich an einen Privatschuldner, der aufgrund seiner ständig steigenden Schuldenhöhe den Überblick verliert und irgendwann seine Post ungeöffnet in der Papierkorb wandern lässt, so nach dem Motto: „Wir wissen das die Situation schwierig ist, deshalb wollen wir es so richtig dann lieber nicht wissen“. Mit dieser Entscheidung wird die gesamte sportwissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet ausgebremst. Sportstätten offerieren den Zugang zu sportlicher Aktivität, ohne einen adäquaten Wissensstand über mögliche Zugänge, wird auch die Bedeutung von Sport und Bewegung in unterschiedlichen Settings (z. B. Schule, Verein) relativiert.